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Heikki Pihlajamäki

Europäische Rechtskultur ? Rechtskommunikation und grenzüberschreitende Einflüsse in der Frühen Neuzeit

Résumé [Une culture juridique européenne ? Communication juridique et influences transfrontalières au début des Temps Modernes.] : en partant des concepts de droit commun et de communication juridique, l’article examine différentes configurations de circulation des littératures juridiques au début des Temps Modernes. Les exemples pris dans l’Empire colonial espagnol, en Suède et dans les pays baltes illustrent des situations diverses de communication équilibrée ou déséquilibrée.


Einleitung

1. Wie der historische Rechtsvergleich uns lehrt, war das frühneuzeitliche Europa von einem einheitlichen rechtskulturellen Phänomen weit entfernt. Patrick Glenn zum Beispiel unterteilt das alte Europa in verschiedene Kreise des gemeinen Rechts. Nach Glenns Terminologie ist das Englische common law nur eines von vielen Systemen des gemeinen Rechts, die sich gegenseitig beeinflussten und in verschiedenen Gebieten als Subsidiärrechte herrschten. Das französische droit commun, das deutsche gemeine Recht oder die spanische derecho común sind alle Versionen desselben Themas. [1] Ob und inwieweit die verschiedenen gemeinrechtlichen Ordnungen in den einzelnen Kreisen, die örtlichen iura consuetudinaria oder andere lokale Rechtsordnungen, faktisch ein gemeinsames zweitrangiges Rechtssystem anbieten konnten, wird nicht hier erörtert. Meine Fragestellung hat dagegen vielmehr damit zu tun, ob die gemeinrechtlichen Systeme einen Einfluss aufeinander ausgeübt haben. [2]

2. Ich möchte mich also mit einem konkreten, rechtshistorisch-vergleichenden Problem befassen. Die Untersuchungsfrage lautet : Warum haben die Einflüsse auf die Rechtsliteratur in einem so unterschiedlichen Maße die Grenzen des frühneuzeitlichen Westens überschritten, und was hat die Rechtskommunikation damit zu tun ? Ich nehme als Beispiele drei Fälle aus den Randgebieten der frühneuzeitlichen westlichen Welt. Diese sind Schweden, Livland und das spanische Lateinamerika oder Indias, wie es auf Spanisch bis zum Ende der Kolonialperiode hieß. Es geht also um die Frage, in welcher Form diese Grenzgebiete der westlichen Welt gemeinrechtliche Einflüsse von den verschiedenen rechtskulturellen Zentren Europas erhalten haben : von Deutschland, Schweden und Spanien. Schweden nimmt hier eine zweifache Stellung ein : es wird sowohl als Peripherie (im Verhältnis zu Deutschland) und als Zentrum (im Verhältnis zu Livland) behandelt. Konkreter frage ich danach, wie die Rechtsliteratur in diesen Grenzgebieten die Idee des ius commune als Subsidiärrecht angenommen hat. [3]

3. Theoretisch stütze ich mich auf das Konzept der Rechtskommunikation (legal communication), das der amerikanische Rechtshistoriker Richard Ross letztens angewendet hat [4] und das in den vergangenen Jahren in der deutschsprachigen Literatur ausgiebig behandelt worden ist [5]. Wie Ross, anwende ich die Methode „individualisierender Vergleichung“ von Charles Tilly, „where one case brings out the distinctive and peculiar elements of the other, [c]ontrasting [---] important features of legal communication [---] whose existence would not be apparent if examined in isolation.” [6]

4. Ich beginne den Artikel mit einer Beschreibung des konzeptuellen Apparats von Ross und nehme daran einige Modifikationen vor, die das Konzept der Rechtskommunikation für meine Fragestellungen besser anwendbar machen. Danach möchte ich aufzeigen, wie die unterschiedlichen rechtskommunikativen Verhältnisse zwischen den verschiedenen kontinentalen rechtlichen Zentren und ihren politisch-kulturellen Randgebieten die tatsächlichen Rezeptionsprodukte differenzierend beeinflusst haben. Das Hauptgewicht der Untersuchung liegt auf Schweden und dessen Verhältnis zu Deutschland. Dieses Verhältnis wird mit den Paaren Spanien – Spanisches „Indien“ und Schweden – Livland vergleichend beleuchtet.

Rechtskommunikation und die atlantischen Reiche

5. In einem jüngst erschienen Artikel vergleicht Richard Ross die Formen der Rechtskommunikation und der imperial governance, die zwischen England und den britischen Kolonien in Nordamerika auf der einen Seite und zwischen Kastilien und seinen amerikanischen Kolonialländern auf der anderen Seite vorherrschend waren. Der Autor benutzt den Begiff der Rechtskommunikation (legal communication) „to bundle together several distinguishable practices“, die miteinander in Wechselwirkung stehen. Ross betont die große Entfernung zwischen den europäischen Mutterländern und ihren amerikanischen Kolonien : „Sheer distance and and the slow, fallible communications that went with it hindered effective English oversight of the early and middle seventeenth-century colonial legal systems.” [7]

6. Die geografische Entfernung erschwerte die Appellationsprozesse zwischen Amerika und England und trug mit dazu bei, dass die einzelnen englischen Kolonien rechtlich mehr und mehr auseinander drifteten. Die mutterländischen Autoritäten blieben aber nicht tatenlos. Mehrere Interregnum und Restoration Commissions (später Lords of Trade und Board of Trade) wurden als clearinghouses of information organisiert, deren Pflicht es war „to investigate the laws and the government of the colonies“. Die rechtsinformatorische Aktivität der genannten Autoritäten bestand darin, Aufzeichnungen und Berichte zu sammeln und mit „governors and other officials, merchants, agents, ship captains, and visiting settlers“ zu korrespondieren. [8]

7. Die Informationen sammelnden clearinghouses waren nicht das einzige Mittel, mit dem die englische Krone ihre eigenen Rechtsideen in den Kolonien zu verwirklichen suchte. Englische Kronbehörden, zum Beispiel die permanenten Vice-Admiralty Gerichte, und zuverlässige, gelehrte Juristen als Staatsanwälte und Hauptrichter wurden in die Kolonien abgeordnet. Eine der wichtigsten Methoden der Einflussnahme war die Ausbreitung von englischer Rechtsliteratur, obwohl die eigene Buchproduktion der Kolonisten zumindestens vor dem 17. Jahrhundert viel wichtiger wurde, da die praktischen Bedürfnisse der Amerikaner in manchen Fällen ganz anders gelagert waren als die englischen Interessen. Im letzten Jahrhundert der englischen Dominanz hat englische Literatur die Rechtsverhältnisse in Amerika dann wieder stärker beeinflussen können. [9]

8. Die verschiedenen Mittel der Beeinflussung, die der englischen Krone zur Verfügung standen, haben – wie Ross gezeigt hat – jedoch zu einer Konzentration der rechtlichen Macht auf London nicht maßgeblich beitragen können :

„Country and town institutions staffed by notables from the vicinity provided the backbone of day-to-day governance. In conjunction with juries, they reflected and defended community custom, which guided enforcement priorities and the resolution of disputes. Even when appointed by royal governors, ground-level officials – constables, clerks, selectmen, justices of the peace, and sheriffs – undermined distasteful imperial policies through their control of investigation and enforcement or just through quite inaction. Crown officials from the governor down to the sheriffs could not exercise effective authority without the cooperation of local authorities and their representatives in the assembly.” [10]

9. Die englische Geschichte ist in diesem Punkt nicht weit von der schwedischen entfernt : Auch die schwedischen Kronbehörden und die gelehrten Oberrichter benötigten die Zusammenarbeit mit lokalen Akteuren, die nur selten juristische Kenntnisse besaßen. Bevor wir aber den begrifflichen Apparat der Rechtskommunikation auf die schwedische Situation anwenden können, müssen wir einige Ergänzungen daran vornehmen. Die Beziehungen zwischen dem frühmodernen Deutschland und Schweden auf der einen Seite und zwischen England und Amerika oder Spanien und seinen amerikanischen Kolonien auf der anderen Seite waren ja recht unterschiedlich. Schweden war bekanntlich kein Teil des Kaiserreichs, auch wenn der schwedische König nach dem Westfälischen Frieden die in Norddeutschland eroberten Territorien als Lehen vom Kaiser erhielt. Das ist aber eine besondere Situation, die hier nicht behandelt werden soll. [11]

10. Die einfachste Situation ist natürlich die, in der beide Partner des Transferprozesses mehr oder weniger auf demselben juristischen Niveau stehen. Das war der Fall bei den meisten Regionen Kontinentaleuropas im Europa des ius commune und auch bei Spanien und seinen amerikanischen Kolonien. In diesen Fällen entsteht das Problem der verschiedenen Ebenen der juristischen Lehre erst gar nicht. Bei peripheren Rechtskulturen wie Schweden und Livland taucht jedoch das Problem der Rechtskommunikation sofort auf.

11. Die konkreten Formen von rechtlichten Einflüssen können also entscheidend von der Frage abhängen, inwieweit die Rechtskommunikation zwischen dem gebenden und dem empfangenden Part möglich ist. Wenn die Parts bildungsmäßig auf verschiedenen Ebenen stehen, werden Veränderungen im Recht produziert. Das ist ja die zentrale Idee des rechtlichen transfer oder irritant : Der empfangende Part ist nicht passiv, sondern die Institution oder die Rechtslehre erfahren eine Veränderung. [12]

12. Es kann auch gefragt werden, warum man nur die deutschen Territorien als Austauschpartner behandeln sollte. Schon im Mittelalter hatten Schweden ja auch an italianischen, französischen und niederländischen Universitäten studiert, [13] und die päpstlichen Kanonisten hatten in Schweden effektiv gewirkt und in einem gewissen Maße auch die mittelalterlichen Landschaftsgesetze und Landgesetze beeinflussen können. [14] Hier wird aber davon ausgegangen, dass der bedeutendere Rezption erst im 17. Jahrhundert eingesetzt hat. Die im 17. Jahrhundert gegründeten Hofgerichte waren teilweise schon von gelehrten Juristen besetzt gewesen, und seit den 1680er Jahren standen auch den Untergerichten Juristen vor, obwohl in ihnen Laien als Schöffen noch eine wichtige Rolle spielten. [15] Auch die rechtswissenschaftliche Forschung hat im 17. Jahrhundert begonnen. [16] Dies bedeutet aber keineswegs, dass man sich nicht auch dem schwedischen Mittelalter vom rechtskommunikativen Ausgangspunkt aus annähern könnte. Hier wird dieser Ansatz aber nicht weiter verfolgt, sondern wir gehen direkt in das 17. Jahrhundert, in die Epoche der legal revolution in Schweden.

13. Der größte Unterschied zu den oben genannten atlantischen Ländern bestand darin, dass die Beziehung zwischen Schweden und Deutschland „nur“ eine kulturelle und keine politische war. Seit der Reformation hatten junge Männer aus Schweden ihre Auslandsstudien mehr und mehr auf die norddeutschen Universitäten konzentriert, zum Beispiel auf Wittenberg [17] und Greifswald, [18] auch wenn das niederländische Leiden um die Mitte des 17. Jahrhundert sehr populär wurde. [19] Das Übergewicht der deutschen Universitäten war klar bei den Theologen, aber auch die Juristen waren in ihren Auslandsstudienreisen stark nach Deutschland hin orientiert. Der Wind blies aus Deutschland, wenn man die Situation mit einem Wort von Ugo Mattei beschreiben will. [20]

14. Den Transfers von Rechtsnormen von einer Rechtskultur in eine andere sind oft Grenzen gesetzt. Manche von ihnen sind selbstverständlich : Eine kommunistische Verfassung kann nicht von einem kapitalistischen Staat übernommen werden. Einige Grenzen sind aber rechtskommunikativer Natur. Ein Importeur von Rechtsnormen, sei es ein Rechtswissenschaftler oder ein praktisch tätiger Jurist, muss die Reälitäten in seinem Heimatland berücksichtigen, wenn er bei seiner Mission erfolgreich sein will. Er muss das rezipierte Recht über die Mittel der Kommunikation an die Rechtsgemeinschaft weitergeben. Ein importierender Rechtsgelehrter ist – wenn man die Sprache der Systemtheorie anwenden will – Teil des autopoietischen Rechtssystems, zum Beispiel des Rechtssystems Schwedens, und der Rechtgelehrte muss die Spielregeln dieses Systems einhalten.

15. Jedes Rechtssystem ist jedoch gegenüber anderen Systemen, auch fremden Rechtssystemen, informationell relativ offen. [21] Normen, die zu schwierig für das rezipierende Rechtssystem sind, werden entweder nicht angenommen oder im Transferprozess den neuen Verhältnissen angepasst. Das war typischerweise die Situation bei den deutschen gemeinrechtlichen Normen, die Rechtsgelehrte nach Schweden zu importieren versucht haben. In mancher Hinsicht findet man hier Ähnlichkeiten mit den Versuchen der Engländer, die juristisch relativ unentwickelten amerikanischen Kolonien in ihrem Sinne zu beeinflussen. Die Rechtsnormen, die das Transfermaterial abgeben sollten, waren in beiden Fällen als solche zu schwierig, um von der empfangenden Seite aufgenommen werden zu können. Sie mussten vereinfacht werden.

16. Das Verhältnis kann aber auch umgekehrt sein. Es ist durchaus möglich, dass sich ein politisch dominierendes Rechtssystem in einem eroberten Land nicht durchsetzen kann, weil die Rechtskultur in dem letztgenannten Territorium auf einem höheren Niveau steht, insbesondere was die Ausbildung der Richter und Advokaten anbelangt. Obwohl auch andere Faktoren mit im Spiel waren (zum Beispiel sprachliche Faktoren sowie die Verschiedenheiten der politischen Systemen), war das ungefähr das Problem, auf das die schwedische Rechtsreformatoren in den neu eroberten livländischen Territorien in den 1630er Jahren stießen. Die Kommunikation zwischen den Eroberern und den Eroberten funktionierte nicht, weil sie nicht dieselbe juristische Sprache sprachen. Für Livland ist es auch ganz klar, dass die lokalen Juristen ihren höher entwickelten Professionalismus als Schild gegen die Schweden einsetzten.

17. Der Begriff „Subsidiarität“ ist einer der wesentlichsten in der Theorie des ius commune. Das gemeine Recht, als eine allgemeine rechtliche Kategorie, gilt als „eine wesentliche [westliche] Tradition, die Einheit mitten unter Vielfalt zu bewahren erlaubt“. [22] Das europäische ius commune war ja genau das : Es strebte nach einer gewissen Einheit unter Verhältnissen, da viele verschiedene, oft miteinander konkurrierende Rechtsordnungen den Anspruch auf Gültigkeit erhoben – die heutigen Vorschläge, die ein gemeinsames europäisches Privatrecht anstreben, haben natürlich dasselbe Ziel. Eine der Funktionen der europäischen Systemen des ius commune bestand auch darin, die Rechtsquellenvielfalt zu bewältigen, obwohl sich in der Praxis der theoretische Vorrang des engeren Rechtskreises vor dem größeren (die Subsidiarität) nicht sehr konsequent durchsetzen konnte und obwohl sich die Rechtsvielfalt an den Gerichten nicht mit der Hilfe der fundata intentio bewältigen ließ. [23]

18. Rechtskommunikation als Forschungsthema ist aber nicht nur zwischen verschiedenen politischen Einheiten relevant, sondern auch – und vielleicht insbesondere – zwischen verschiedenen juristischen oder gerichtlichen Ebenen innerhalb einer politischen Einheit. Dies war eigentlich genau die Situation Schwedens in der Frühen Neuzeit. Die starke Stellung der Laien an den Untergerichten beeinflusste notgedrungen die Form, in welcher die gelehrten Hofgerichte und juristischen Autoren ihre „Mitteilungen“ formulierten. Die Hofgerichte und die Rechtswissenschaftler mussten ja sicherstellen, dass die juristischen Mitteilungen auch verstanden wurden. Dies resultierte, wie ich behaupten möchte, in einer Simplifizierung beim Transferprozess des gelehrten Rechts. Innerhalb Livlands war die Lage schon sehr kontinentaleuropäisch, weil alle Gerichte von ausgebildeten Juristen besetzt waren. Auch an den Gerichten des spanischen Amerika waren ausgebildete Juristen ein weit verbreitetes Phänomen ; in Nordamerika dagegen ähnelte die Situation mehr der Schwedens.

19. Zusammenfassend kann man sagen, dass man sich der Rechtskommunikation aus verschiedenen, einander komplettierenden Blickwinkeln annähern kann. Rechtskommunikation hat sehr viel mit den politischen Institutionen, den Kommunikationsstrukturen und der juristischen Ausbildung zu tun.


Spanien und seine amerikanische Kolonien

20. Ross zeigt in seinem Artikel, dass die rechtliche Kommunikation zwischen Spanien und las Indias relativ erfolgreich gewesen ist, obwohl auch diverse Probleme aufgetreten sind. Die wichtigste Ursache für den Erfolg war der, dass die amerikanische Bürokratie und das Gerichtswesen von Anfang an relativ stark mit fachlich gebildeten Juristen besetzt waren. Wie auf dem europäischen Kontinent, so nahmen auch in dem von Spanien kolonisierten Amerika die Juristen eine wichtige Stellung ein. [24] Zumindest in den obersten regionalen Verwaltungs- und Justizbehörden war dies der Fall. Die erste Juristische Fakultät findet man auch schon sehr früh, im Jahre 1551, in Lima (Universidad de San Marcos). Natürlich spielte auch das kanonische Recht im rechtlichen Universum des spanischen Amerika eine wichtige Rolle. [25]

21. Juristen waren auch nötig, weil seit Anbeginn der Kolonialisierung eine ständig wachsende Menge an speziellen Gesetzen für Amerika erlassen wurde. In mancher Hinsicht sind diese Gesetze, die den Hauptteil des so genannten derecho indiano bildeten, mit dem europäischen Polizeirecht vergleichbar, wie ich in einem anderen Artikel behauptet habe. [26] Das derecho indiano bestand aber nicht nur aus geschriebenen Gesetzen, sondern fast alle Bestandteile der europäischen Rechtsvielfalt waren auch in Amerika zu finden. Auch das gelehrte Recht. Von einer vereinfachten Rechtsliteratur kann man hier nicht sprechen, weil das gesamte spanische Rechtsschrifttum im Hintergrund stand und auch benutzt wurde. [27]

22. Hinter dem derecho indiano finden wir zeitgenössische Rechtsliteratur. Alejandro Guzmán Brito hat gezeigt, dass im Hintergrund das spanische Recht gestanden hat als ein derecho común, in dem die Antwort in zweifel- oder lückenhaften Fällen zumindest theoretisch zu finden war – und hinter dem spanischen Recht stand als zweitrangiges Subsidiärrecht das römisch-kanonische ius commune.

23. Es ist also verständlich, dass man in „Indien“, wie auch im Kaiserreich, ein gemeines Recht oder sogar mehrere gemeine Rechte benötigte. Sowohl im Kaiserreich als auch im kolonialen Amerika war es zu schwierig, ein Rechtsquellensystem ohne ein ius commune aufzustellen. Mindestens theoretisch muss es so erschienen haben ; ob und wie die Subsidiarrechte dann tatsächlich mit der Rechtsquellenbewältigung in dem alltäglichen Gerichtsleben geholfen haben, ist andere Sache.

24. Die Situation der spanischen Kolonien kann so zusammengefasst werden, dass es sich um ein relativ ausbalanciertes Kommunikationssystem gehandelt hat. Die gemeinsame Sprache und Kultur sowie das einheitliche Ausbildungsniveau des Gerichtspersonals erleichterte die Kommunikation zwischen Spanien und den transatlantischen Kolonien. Die rechtliche Kommunikation zwischen dem europäischen Kontinent und Schweden oder zwischen Schweden und Livland hat sich anders entwickelt. In beiden Fällen haben wir Beispiele für ein unbalanciertes rechtliches Kommunikationssystem.

Schweden : Vereinfachte Rezeption des römisch-kanonischen Rechts

25. Um die Natur der Rechtskommunikation zwischen Schweden und dem Kontinent zu verstehen, muss man weiter in die Geschichte zurückgehen. Die schwedischen Landschaftsgesetze stammen überwiegend aus dem späten 13. und frühen 14. Jahrhundert und die Landgesetze, die für das ganze Reich gegolten haben, aus dem 14. und 15. Jahrhundert. An vielen Punkten hat die katholische Kirche über das römisch-kanonische Recht einen Einfluss auf das mittelalterliche schwedische Recht ausgeübt. Im Mittelalter gab es noch keine gelehrten Juristen in Schweden – wenn man einige gelehrte Kanonisten außer Betracht lässt. Die Gerichtssitzungen waren mündlich, und die ersten Obergerichte wurden erst im 17. Jahrhundert gegründet.

26. Erst ab dem 16. Jahrhundert kann ein möglicher Einfluss des gelehrten Rechts ernsthaft diskutiert werden. Der erste wichtige schwedische Rechtsgelehrte war eigentlich ein Theologe : der Reformator Olaus Petri. Er hat eine Reihe juristischer Werke verfasst, zum Beispiel einen Kommentar zum schwedischen Stadtrecht (ca. 1350). Am besten ist Olaus jedoch für seine Richterregeln bekannt. Höchstwahrscheinlich sind diese Rechtsregeln, die sich eng an die mittelalterliche Brocardica-Tradition anlehnen, in den dreißiger Jahren des 16. Jahrhundert geschrieben worden. [28] Während seiner theologischen Studien in Rostock und Wittenberg hatte Olaus sich auch mit der Rechtswissenschaft vertraut gemacht ; er sah das gemeine Recht als eine erstrebenswerte Rechtsordnung an. Olaus war aber auch realistisch ; er verstand, dass die Rezeption nicht verwirklicht werden konnte ohne Berücksichtigung der im schwedischen Reich herrschenden besonderen Verhältnisse. [29]

27. Was waren die besonderen schwedischen Verhältnisse nun ? Das schwedische Recht des 16. Jahrhunderts war ein Laienrecht, so wie alle europäischen Rechtssysteme vor dem gelehrten Recht. Eine nationale Rechtsliteratur war noch nicht entstanden, und die einzigen akademisch ausgebildeten Juristen waren in der königlichen Verwaltung als Berater tätig. An den Untergerichten hat es keine Juristen gegeben. Wenn wir die ersten schwedischen Gerichtsprotokolle aus dem 16. Jahrhundert untersuchen, wird uns sofort klar, dass dort keine Rezeption des ius commune zu finden ist. Man entdeckt dort keine lateinischen Rechtstermini oder Verweise auf entweder kanonische oder römischrechtliche Quellen. [30]

28. Olaus sah das gemeine Recht als ein höher entwickeltes System an, und aus den Richterregeln geht hervor, dass der Reformator eine Rezeption des gemeinen Rechts für wünschenswert gehalten hat. Aber nicht um jeden Preis. Wenn ein Transfer der europäischen Rechtsregeln überhaupt möglich war, dann sollte man mit der Rezeption realistisch vorgehen. Unter den schwedischen Verhältnissen musste es sich notwendigerweise um eine vereinfachte Rezeption der gemeinrechtlichen Regeln handeln. Ich nehme ein Beispiel aus dem Beweisrecht.

29. Ein erheblicher Teil der Richterregeln kann als beweisrechtlich bezeichnet werden. Zum Beweisrecht im modernen Sinne gehören zumindest die Regeln 16 sowie 27–38. Bekanntlich kamen in der europäischen gemeinrechtlichen Theorie zwei Zeugenaussagen oder ein freiwilliges Geständnis einem vollen Beweis gleich. Schon die mittelalterlichen Glossatoren und Konsiliatoren hatten aber eine beträchtliche Literatur über diese Theorie produziert. Die oben erwähnte Definition des vollen Beweises enthält natürlich nur die Hauptregeln, die eine sehr umfangreiche Literatur hervorgebracht hatten. Die Entwicklung des gemeinen Beweisrechts hat jüngstens Mathias Schmoeckel in seinem Werk Humanität und Staatsraison detailliert behandelt. [31] Zahlreiche Regeln sind angewachsen – etwa darüber, wie das Gericht bei Ausbleiben eines vollen Beweises vorgehen sollte. Begriffe wie die Verdachtsstrafe und absolutio ab instantia haben eine umfangreiche Literatur und Rechtspraxis hervorgebracht. Die gerichtliche Folter war eines der Lieblingsthemen der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Autoren, neben vielen anderen. [32]

30. Alle diese wesentlichen Charakteristika des gemeinen Prozessrechts haben sich in den umfangreichen Büchern der Frühen Neuzeit widergespiegelt, zum Beispiel in den Werken der italienischen Rechtswissenschaftler Prosper Farinacius und Julius Clarus und etwas später auch bei deutschen Autoritäten, die die Tradition in das gemeine Recht übertrugen, zum Beispiel bei Benedict Carpzov. Das Werk Praxis et theoria crimanalis libri duo (1616) von Farinacius umfasst rund 500 Seiten, während das Hauptwerk von Carpzov Practica nova imperialis Saxonica rerum criminalium 1–3 (1635 ; in der Wittenbergischen Edition aus dem Jahre 1670) 1 184 Seiten enthält.

31. Die zentralen Charakteristika der gemeinrechtlichen Beweistheorie können auch in den Richterregeln gefunden werden, wenn auch in einer sehr knappen Form und vermischt mit Elementen des älteren, mittelalterlichen schwedischen Rechts. Von einer Systembildung kann man bei Olaus gewiss nicht sprechen, aber viele wichtige Bestandteile des gemeinen Beweisrechts sind jedenfalls vorhanden. Olaus spricht von einem vollen und einem halben Beweis und betont die Wichtigkeit des Geständnisses (Richterregel 29) : [33]

„Wo der Ankläger irgendeinen Beweis oder Anhaltspunkt oder auch einen Zeugen mit sich hat, das ist sein ‚Ja’ besser als des Beklagten ‚Nein’, da bringt er ihn zum Eid. Wo dem nicht so ist, geschieht dem Beklagten Unrecht, wenn er zum Eid gezwungen wird. Denn er muss nicht sofort einen Eid leisten, wenn ihm etwas angeschuldigt oder vorgeworfen wird, es sei denn, dass der Ankläger halben Beweis für sich hat ; damit zwingt er (d. i. den Beklagten) zum Eid. Wo aber der Ankläger volles Zeugnis und Beweis hat für das, war er dem Beklagten vorwirft, da soll dieser nicht schwören.“

Diese Beweisregeln, die zweifellos gemeinrechtlichen Ursprungs sind, werden an vielen Stellen des Regelwerks sichtbar, sind aber vermischt mit älteren Elementen und nicht als eine systematische Einheit ausformuliert.

32. Olaus möchte ganz klar den prozessuellen Eid völlig ablehnen, konnte dies aber nicht tun, weil das schwedische Recht von diesem mittelalterlichen Instrument so abhängig war. Das schwedische Recht – das noch im 16. Jahrhundert vorherrschend war – war stark von prozessualen Eiden dominiert. Dies war eine Tatsache, die Olaus natürlich berücksichtigen musste und die eigentlich sehr viel mehr die Richterregeln dominiert hat als die neueren gemeinrechtlichen Elemente. Es ist aber eindeutig, dass Olaus das Eidsystem als sehr problematisch ansah und gerade dafür etwas von den europäischen Neuheiten einführen wollte. Ein System, das auf gelehrten Richtern und Advokaten beruhte, ließ sich aber nur sehr schwer in ein Land ohne Rechtswissenschaft importieren. Deswegen musste sich Olaus mit den wichtigsten Fragmenten begnügen. [34]

33. Die Tradition der vereinfachten Rezeption wurde später von anderen Schweden fortgesetzt. Die eigentliche schwedische Rechtsliteratur ist also im 17. Jahrhundert entstanden, aber die einschlägigen Werke sind relativ bescheiden. Einige schwedische Rechtswissenschaftler des 17. Jahrhunderts sind zu den Institutionalisten zu zählen : Sie versuchten also, die Institutionen des nationalen Rechts anhand des gemeinen Rechts darzustellen. Johannes Loccenius, Professor an der Universität Uppsala, der deutscher Herkunft war, veröffentlichte im Jahre 1648 seine Synopsis Juris Ad Leges Sueticas Accommodata. [35] Besser vergleichbar mit den europäischen Strafrechtsgelehrten, die oben erwähnt wurden, ist Claudius Kloot, ein Richter an einem Untergericht, der in Uppsala und wahrscheinlich auch in Franeker studiert hatte. Claudius Kloot publizierte sein Doppelwerk Processus Criminalis, ad Jus & forum Svecicum potissimum aptatus und Synopsis Causarum Criminalium im Jahre 1651 (insgesamt 364 Seiten) und kann als der erste schwedische Strafrechtsgelehrte angesehen werden. [36] Wie schon die Titel seiner ersten Werke verraten, versuchte Kloot das schwedische Strafrecht mit Hilfe der gemeinrechtlichen Strafrechtsinstitutionen verständlich und logisch zu machen. Man könnte auch sagen, wie Lars Björne, dass sowohl Loccenius als auch Kloot „nach einer Darstellung eines allgemeines Rechts [strebten], das man, wenn möglich, mit Beispielen aus dem schwedischen Recht veranschaulichte.“

34. Es ist typisch für die schwedische Rechtsliteratur, dass das Werk von Kloot, das in seiner Darstellungsweise als sehr abhängig von Carpzovs Practica nova angesehen wird, nur ungefähr ein Drittel der Seitenzahl des Werks des deutschen Rechtswissenschaftlers ausmacht. Der Unterschied wird eigentlich doppelt so groß, wenn man berücksichtigt, dass die Synopsis in octavo gedruckt wurde, die Practica nova dagegen in quarto. Die Seitenzahlen sind signifikant, da die Unterschiede zwischen Carpzov und Kloot so bedeutend sind, insbesondere wenn man berücksichtigt, dass Kloot sich inhaltsmäßig ziemlich eng an Carpzov angelehnt hat. Es wird also klar, dass Kloot in seiner Synopsis eine erheblich vereinfachte Version vom gemeinen Strafrecht geliefert hat.

35. Kloots Buch war für Richter und praktizierende Juristen gedacht, die oft nur wenige Universitätsstudien hinter sich hatten und im praktischen Rechtsleben die ganze Zeit mit Laien arbeiteten : mit Laien als Laienrichtern, Laien als Streitparteien, Laien als Staatsanwälten usw. Wenn der Verfasser Leser bekommen wollte, so musste er das Buch anwendbar machen. In seinen Werken kommunizierte ein schwedischer Rechtgelehrter mit einem ganz unterschiedlichen Auditorium als seine Kollegen jenseits der Ostsee. Daher wird auch verständlich, dass Kloots Hauptwerk, eine allgemeine Darstellung des schwedischen Rechts, Then Swenska Lagfarenheetz Spegel (1676), schon auf Schwedisch verfasst war.

36. Das frühneuzeitliche schwedische Recht ist bis zum Ende der Frühen Neuzeit (und gewissermaßen auch danach noch) laiendominiert geblieben. Die erste Universität findet man 1497 in Uppsala ; in Folge der Reformation wurde sie aber bald geschlossen und erst am Anfang des 17. Jahrhunderts wieder eröffnet. Neue Universitäten mit juristischen Fakultäten wurden dann in Turku (1630) und Dorpat (1632) gegründet. Fast gleichzeitig findet man Hofgerichte, erst in Stockholm 1614, dann in Turku, Dorpat und Jönköping. Die neuen Universitäten haben gegen Ende des 17. Jahrhunderts die Quantität und Qualität der juristisch geschulten Justizbehörden und Advokaten erhöht, und im Jahre 1682 wurde es obligatorisch, dass alle Richter an den Untergerichten ein Universitätsstudium absolviert haben mussten. Eine Hälfte der Hofgerichtsrichter sollten eine juristische Ausbildung haben, die andere Hälfte waren Adelige. Juristische Ausbildung bedeutete jedoch nicht, dass die Richter Juristen im modernen Sinne gewesen wären – in vielen Fällen hatten sie keinen ordentlichen Abschluss gemacht, sondern sie hatten nur einige Studienteile an einer juristischen Fakultät abgelegt. Es gibt natürlich auch Ausnahmen : einige Hofgerichtsrichter hatten mehrere Jahre studiert, und sogar einige Richter der Untergerichte haben ein Studium im Ausland absolviert (z. B. der erwähnte Claudius Kloot). Seit dem Anfang des 16. Jahrhunderts waren auch einige juristisch ausgebildete Advokaten in den größten Städten tätig, [37] aber diese bildeten bis in das 19. Jahrhundert hinein in vielen Teilen Schwedens und Finnlands eine Seltenheit. Bei der Staatsanwaltschaft verlief diese Entwicklung noch langsamer.

37. Die wichtigste strukturelle Ursache, warum die Rezeption in einer vereinfachten Form geschehen musste, ist die Beständigkeit und sogar Dominanz des Laienelements an den schwedisch-finnischen Untergerichten, die bis in die heutigen Tage angedauert hat. Traditionell und noch bis 1993 setzten sich die Untergerichte in den Landschaften aus einem Richter und sieben Laien zusammen.

38. Die Stellung der Laien hat sich, in groben Zügen, mit der Professionalisierung der Richter zwar abgeschwächt, ist aber stets wichtig geblieben. Alle – natürlich die vorsitzenden Richter an den Untergerichten, aber auch die Hofgerichte und die Gesetzgeber – mussten die Laien mit berücksichtigen, wenn sie juristisch kommunizieren wollten. Die Rezeption musste vereinfacht sein und konnte nicht auf einer extensiven Literatur beruhen.

39. Die Gründe für die Entstehung des ius commune sind in der Vervielfältigung der mittelalterlichen norditalienischen Rechtsquellen zu sehen, und diese Vielfalt hat in manchen Teilen der frühneuzeitlichen Welt nicht wesentlich abgenommen, obgleich wichtige Verschiebungen in dem relativen Gewicht der konkurrierenden Rechtsordnungen eingetreten sind. Im Kaiserreich gab es außer den territorialen Gewohnheits- und Statutarrechten in den katolischen Territorien auch das kanonische Recht, und neben dem römischen und kanonischen Recht (oder an dessen Stelle) machten sich auch das „deutsche Recht“ und das ius gentium bisweilen als „subsidiär geltende gemeine Rechte“ breit. Dazu kamen noch die riesigen Mengen an Polizeirecht und Rechtsliteratur, insbesondere Entscheidungsliteratur, die ihrerseits zur Fülle der frühneuzeitlichen Normativität mit beitrugen. [38]

40. Eine Theorie der Subsidiarität des ius commune oder fundata intentio als ein Auslegungsprinzip war, wenn unmöglich, auch unnötig in Schweden. Von einer Rechtsquellenvielfalt, die mit Hilfe des ius commune hätte bewältigt werden müssen, kann man im frühneuzeitlichen Schweden nämlich kaum sprechen. Das geschriebene Gesetz hatte schon seit dem Mittelalter eine ziemlich starke Stellung innegehabt und hat sich in der Frühen Neuzeit noch weiter verstärkt. Seit der Reformation musste die königliche Gesetzgebung nicht mehr mit dem kanonischen Recht konkurrieren, und bedeutende Stadtrechte hat es nie gegeben. Da man in Schweden nicht von einem eigentlichen Feudalismus sprechen kann, hat auch das Feudalrecht als ein selbstständiges Rechtssystem niemals existiert. Ein örtliches Gewohnheitsrecht hat es selbstverständlich überall im mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Europa gegeben, und somit auch in Schweden. Die mittelalterlichen Gesetze gründeten sich aber schon vorwiegend auf dieses Gewohnheitsrecht, und in der Frühen Neuzeit hatten die Rechtsgewohnheiten keine starke selbstständige Stellung. Das von Peter Oestman für die deutsche Rechtsvielfalt als wichtig betonte Polizeirecht und die Entscheidungsliteratur gibt es in bedeutendem Umfang in Schweden ebenfalls nicht.

41. Wenn ich behaupte, dass für das schwedische frühneuzeitliche Recht nur wenig Rechtsquellenpluralität kennzeichnend war, so bedeutet dies jedoch nicht, dass man von irgendeinem vormodernen Positivismus sprechen könnte. Eine solche Behauptung wäre anachronistisch. Die Rechtsquellen, auch die Gesetze, mussten eine ungefähr gleichartige relative Autorität für die schwedischen wie für die deutschen oder lateinamerikanischen Juristen und Gerichte besitzen ; die Gesetze wurden nicht immer befolgt. Der Unterschied zwischen Schweden und den anderen Gebieten war nur der, dass das normative Universum der Schweden nicht so voll von normativem Material verschiedener Art war, als es in den anderen europäischen Rechtskulturen die Lage war. Es darf vermutet werden, dass das schriftliche Gesetz als Steuerungsinstrument für die schwedischen Machthaber daher besonders gut geeignet war.

42. Als eine der stärksten und am effektivsten konzentrierten frühneuzeitlichen Monarchien hat die schwedische Krone die Entstehung einer allgemeineuropäischen Rechtsquellenvielfalt verhindert. Das schwedische Recht bedurfte keines ius commune als eines Subsidiärrechts für die Bewältigung einer Vielfalt. Zu einer vereinfachten Rezeption ist es dennoch gekommen. Warum ? Hier sind die Erklärungen nicht andere als die, die die rechtshistorische Literatur gewöhnlich für den Siegeszug des gelehrten Rechts gegen die vorangegangenen Rechtsordnungen gegeben hat. Das alte mittelalterliche Recht, das hauptsächlich materielle Elemente mit prozessualen vermischte, konnte von den höheren Gerichtsinstanzen nur schwer kontrolliert werden. Das römisch-kanonische Recht war dafür, wenn auch in vereinfachter Form, besser geeignet.

43. Die Art und Weise der Rezeption des europäischen gelehrten Rechts im Schweden der Frühen Neuzeit war also von dem niedrigen juristischen Niveau in Schweden bestimmt worden. Die unbalancierte Austauschsituation brachte eine Tradition der vereinfachten Rezeption in Schweden hervor, weil die juristischen Produkte des europäischen ius commune in einer solchen Form von den schwedischen Rechtsgelehrten in Schweden kommuniziert werden mussten, dass letztendlich auch die laiendominierten Gerichte die Lehren verstehen konnten.

Das schwedische Recht in Livland

44. Die Rechtskommunikation zwischen Schweden und Livland war ebenfalls unbalanciert, aber in umgekehrter Weise wie zwischen Schweden und denjenigen europäischen Ländern, die vom europäischen ius commune geprägt waren. Schweden versuchte nämlich, zumindestens am Anfang der Eroberung in den 1630er Jahren, das livländische Recht zu schwedifizieren. Diese Bestrebungen sind jedoch auf rechtskommunikative Probleme gestoßen.

45. Zur Schwedifizierung des livländische Rechts benutzte die schwedische Krone die gemeinrechtliche Theorie des Subsidiarrechts – obwohl das gelehrte Recht im eigentlichen Schweden eine schwache Stellung hatte. Ein funktionierendes Gerichtswesen war eine der Prioritäten, wenn Schweden das eroberte Land aus dem fortdauernden Nachkriegschaos retten und möglichst schnell unter Kontrolle bringen wollte. Eines der wichtigsten Ergebnisse der Umgestaltung war die Gründung der Landgerichte als Untergerichte in der Landschaft. Sie sollten als erste Instanz für Zivil- und Kriminalsachen tätig sein. Nach der Landgerichtsinstruktion von 1632 wurde die Provinz in fünf Landgerichtskreise aufgeteilt : Riga, Dorpat, Pernau, Wenden und Kokenhusen. Die Gerichte zu Pernau und Wenden waren private Gerichte in dem Sinne, als die Gerichtsbarkeit als Teil der adeligen Privilegien verstanden wurde. Das Pernauer Gericht fiel in die Zuständigkeit des Grafen von Thurn, das Gericht zu Wenden gehörte zum Lehen von Axel von Oxenstierna. Als Untergerichte in den Städten waren weiterhin die Stadträte tätig. Die anderen Gerichte unter dem Hofgericht Dorpat waren Konsistorialgerichte, Schlossgerichte, Weisengerichte und Ordnungsgerichte. [39]

46. Als Teil der Gerichtsreform wurde auch die Rangordnung der Rechtsquellen erneuert. Nach § 25 der Rangordnung der livländischen Hofgerichtsordnung (1630) und § 29 der Landgerichtsordnung (1632) sollte zuerst das livländische und dann das schwedische Recht und danach das ius commune angewendet werden. § 29 der Landgerichtsordnung lautet :

„So soll daß Landgericht [---] forderst erstlich nach liefländischen Rechten und löblichen Gewohnheiten, [---] wo aber einer Gewissheit nicht vorhanden, nach schwedischen Rechten, Constitutionen, Reichssabschieden und Gebräuchen, so mit dem iure saniorum populorum communi einstimmig, sprechen und verabschieden.“ [40]

47. Das Problem für die Schweden in Livland bestand indes darin, dass die livländische Richterschaft am Anfang des 17. Jahrhunderts schon durchweg professionalisiert war. Wie Arvo Tering gezeigt hat, hatten die deutsch-baltischen Assessoren an dem in Dorpat im Jahre 1632 gegründeten livländischen Hofgericht fast alle an deutschen Universitäten studiert. [41] Auch an den Untergerichten konnten gelehrte Advokaten und Staatsanwälte schon traditionell mit gelehrten Richtern in gemeinrechtlichen Termini über Rechtsprobleme Meinungen austauschen. In der schwedischen Zeit sind keine kommunikativen Probleme innerhalb der Untergerichte oder zwischen den Untergerichten und dem Hofgericht aufgetreten. Die livländischen Juristen hatten ein Kommunikationssystem gebildet, in welchem das schwedische Recht, das ursprünglich für ein sehr verschiedenes, laiendominiertes Gerichtssystem entwickelt worden war, nur sehr wenig Einfluss ausüben konnte, vor allem nicht als ein zweitrangiges Rechtssystem. Was dies in der Praxis bedeuten konnte, möchte ich anhand eines konkreten Beispiels zeigen. Es handelt sich um einen Ausnahmefall, aber manchmal können Ausnahmefälle ja mehr enthüllen als Normalfälle.

48. In der Übergangsphase von der Kriegszeit zur schwedischen Zeit mussten die alten Traditionen berücksichtigt werden – so könnte man jedenfalls denken. Das Dorpater Landgericht mit seinem neu ernannten schwedischen Präsidenten, dem Dichter und Juristen Georg Stiernhielm, wollte die alte livländische Rechtsfindungstradition mit den Anforderungen der neuen Landgerichtsordnung in Übereinstimmung bringen. [42] Die Landgerichtsordnung sagte eigentlich nichts von Rechtsfindern, aber sie waren ein Bestandteil der livländischen Tradition. In dem alten livländischen Recht waren die Rechtsfinder nur an den bäuerlichen Gutsgerichten tätig. Solche Gutsgerichte gab es in dem wenig feudalisierten schwedischen Gerichtssystem gar nicht, sondern dort wirkten Bauern als Schöffen an normalen Untergerichten.

50. Vermutlich dachte Stiernhielm, dass die Rechtsfinder mit den schwedischen Schöffen (nämndemän) vergleichbar wären. Weil die schwedischen Schöffen einen wichtigen Bestandteil der Untergerichte bildeten, sollte auch den livländischen Rechtsfindern ein Platz an den neuen Landgerichten eingeräumt werden. Vielleicht dachte Stiernhielm auch, dass die Aufnahme der Rechtsfinder in die neuen Gerichte mit den allgemeinen politischen Zielen der schwedischen Krone zusammenpasste. Andere neue Landgerichte in Livland dagegen haben zur selben Zeit die Rechtsfinder abgeschafft und – so nehme ich an – für eine möglichst umfassende Vertretung der interessierten adeligen Kreise gesorgt. Die übrigen Landgerichte waren zugleich mit gelehrten Juristen besetzt.

51. Wie Stiernhielm wahrscheinlich bald bemerkte, passte es überhaupt nicht zur livländischen Standesgesellschaft, an den livländischen Untergerichten bäuerliche Rechtsfinder als Schöffen zu haben. Nach dem Jahre 1632 sind die nächsten verfügbaren Protokolle des Dorpater Gerichthofs leider erst wieder aus dem Jahre 1664. In diesem Jahr sind jedenfalls die Rechtsfinder völlig aus dem Landgericht verschwunden, und das Landgericht reiste nicht mehr in seinem Kreis umher, um an vielen verschiedenen Gutshöfen Recht zu sprechen. Das Stiernhielmsche Rechtsexperiment war vorbei und die Übernahme des schwedischen Schöffensystems gescheitert. Ich nehme an, dass man die Rechtsfinder an ihren eigenen Platz, an die Gutsgerichte, zurückverwiesen hatte.

52. Das Scheitern des Versuchs, an einem Landgericht Rechtsfinder einzuführen, kann als ein rechtskommunikatives Problem angesehen werden. Das livländische Rechtssystem war ein gelehrtes System, in dem Juristen mit Juristen sprachen und gelehrte Untergerichtsrichter miteinander und mit Hofgerichtsrichtern juristisch kommunizierten. In ein solches soziales System passten Laien nur schlecht hinein. Das schwedische Gerichtssystem hatte sich unter Berücksichtigung der Bedingungen der Laien entwickelt, die livländische Tradition stand aber der deutschen (oder spanischen) Tradition viel näher.

53. Auch bezüglich der längerfristigen Entwicklung zeigen die Gerichtsprotokolle, dass sich das schwedische Recht in Livland nur sehr wenig durchsetzen konnte. Es gibt natürlich Unterschiede zwischen den einzelnen Rechtszweigen. Die schwedischen Gesetz wurden am gewöhnlichsten bei denjenigen Materien benutzt, wo das livländische Recht schweigte. Solche Bereiche waren typischerweise das Prozessrecht, die Kirchengesetzgebung und die Duellfälle sowie auch die Polizeigesetzgebung. Dagegen ist das livländische Strafrecht die ganze schwedische Zeit über sehr verschieden geblieben, und im Zivilrecht ist es nur zu einer sehr geringen Rezeption des schwedischen Rechts gekommen. [43]

54. Die Situation zwischen Schweden und Livland kann also als eine Version einer unbalancierten Rezeption bezeichnet werden. In diesem Fall war indes der empfangende Part rechtskulturell weiter entwickelt als der gebende Part. Deshalb konnte sich der empfangende Part auch erfolgreich gegen die Bestrebungen des anderen Parts schützen. Ob diese Selbsterhaltung bewusst gewesen ist oder nicht, ist hier nicht weiter relevant. Die livländische Rechtsgeschichte der schwedischen Zeit zeigt jedoch klar, dass die kaum funktionierende Rechtskommunikation zwischen dem Mutterland und dem Ostseeterritorium eine Einführung des schwedischen Rechts sehr schwierig gemacht hat.


Schlussbetrachtung

55. Ich habe in diesem Artikel drei Typenfälle der Rechtskommunikation in der Frühen Neuzeit betrachtet. Der erste war der Fall einer balancierten Rechtskommunikation. Spanien und seine amerikanischen Kolonien waren Teil desselben rechtlichen Kommunikationssystems, und dies ermöglichte einen ziemlich reibungslos funktionierenden Transfer von rechtlichen Ideen. Der zweite Typ, den ich geschildert habe, war eine Situation der unbalancierten Rechtskommunikation. Dieser Fall wurde von Schweden und dem kontinentalen ius commune repräsentiert. Ich habe behauptet, dass das niedrige rechtswissenschaftliche Niveau der schwedischen Untergerichte dazu geführt hat, dass die schwedische „Rezeption“ unbedingt vereinfacht sein musste. Das dritte Beispiel ist auch ein Fall von unbalancierter Rechtskommunikation, aber in diesem Fall war der gebende Part (Schweden) rechtskulturell weniger entwickelt als der empfangende Part (Livland). Dies hat zur Folge gehabt, dass man sich einer Rezeption des schwedischen Rechts fast völlig gesperrt hat.

56. Die Dreiteilung der rechtskommunikativen Typenfälle ist – was klar sein dürfte – nur aus einem Blickwinkel entwickelt worden : dem des juristischen Professionalismus. Andere Kriterien könnten leicht entwickelt werden. Sprache allein konstituiert, so scheint es, oft eine wichtige Voraussetzung für eine effektive Rechtskommunikation, wie das Beispiel Finnlands als Teil des russischen Kaiserreichs im 19. Jahrhunderts zeigt. Obwohl die russische Zentralmacht mehrere Versuche unternommen hat, das finnische Rechtssystem zu beeinflussen, sind alle diese Vorstöße gescheitert. Die sprachlichen Hindernisse spielten hier eine wichtige Rolle. Die Russen waren praktisch völlig von der Kooperationsbereitschaft der finnischen Juristen abhängig, weil die Russen selbst das Schwedische – die offizielle Rechtssprache des Großfürstentums – nicht beherrschten. Die Bemühungen der Russen waren auch deswegen vergebens, weil die Finnen ihnen nur sehr zurückhaltend Hilfe leisteten. Es gibt also noch vieles, was aus rechtskommunikativem Blickwinkel untersucht werden könnte.

Heikki Pihlajamäki, Universität Helsinki

Notes

[1] H. Patrick Glenn, On Common Laws, Oxford 2007, 20-21. Glenn schreibt : “There would thus have been many iura communia in Europe in addition to the ius commune, notably canon law, feudal law, and commercial law, and then the many regional common laws radiating out, both within Europe and beyond, from major centres of England, Germany, France, Spain, the Netherlands, and so on.”

[2] Ich nehme wie Douglas J. Osler an, dass die Verschiedenheiten zwischen den nördlichen und südlichen Teilen Europas ziemlich groß waren und dass das englische Recht – auch wenn die Struktur des lokalen common laws funktionell, wie Glenn behauptet, mit den kontinentalen gemeinen Rechten vergleichbar war – sich in bedeutender Weise von den kontinentaleuropäischen Rechten unterschied. Siehe Douglas J. Osler, The Myth of European Legal History, Rechtshistorisches Journal (1997), 393-410, 407-408. Die rechtsvergleichende Literatur über die Möglichkeit (oder Unmöglichkeit) der Konvergenz des englischen und kontinentalen Rechts ist gewaltig angewachsen. In der Litteratur sind reichlich historische Argumente angeführt worden. Siehe z. B. Reinhard Zimmermann, Der europäisches Charakter des englischen Rechts : historische Verbindungen zwischen civil law und common law, Zeitschrift für europäisches Privatrecht 1 (1993), 4-51 ; Reinhard Zimmermann, Savigny’s Legacy : Legal history, Comparative Law, and the Emergence of a European Legal Science, Law Quarterly Review 112 (1996), 576-605 ; und Pierre Legrand, European Legal Systems are Not Converging, International and Comparative Law Quartely 46 (1996), 52-81.

[3] Die terminologisch-theoretische Frage, ob man statt von „Einflüssen“ von legal transplants oder mehr altmodisch von „Rezeption“ sprechen sollte, wird hier außer Acht gelassen. Beide Termini werden synonymisch angewandt. Über die transplants gibt es auch sehr viel Litteratur. Siehe z. B. Alan Watson, Legal Transplants, Athens Georgia 1993 (second edition) ; Gunther Teubner, Legal Irritants : Good Faith in British Law or How Unifying law End Up in New Divergences, Modern Law Review 61.1 (1998) 11-32 ; und Jan Smits, On Successful Legal Transplants in a Future Ius Commune Europaeum, in : Andrew Harding/Esin Örücü (hrsg.), Comparative Law in the 21st Century, London 2002, 137-154.

[4] Richard Ross, Legal Communications and Imperial Governance : British North America and Spanish America Compared, in : Christopher L. Tomlins/Michael Grossberg (hrsg.), Cambridge History of Law in America, vol. 1, Early America (1580–1815), Cambridge 2008, 104-143.

[5] Siehe die schon klassischen Werke von Niklas Luhmann, Soziale Systeme, Frankfurt am Main 1984 ; und Gunther Teubner, Recht als autopoietisches System, Frankfurt am Main 1989. Letztens ist die Idee des Rechts als autopoietisches System von Marie Theres Fögen weiterentwickelt worden. Siehe die Programmschrift Rechtsgeschichte – Geschichte der Evolution eines sozialen Systems : Ein Vorschlag, Rechtsgeschichte 1 (2002), 14-20 ; und Marie Theres Fögen, Römische Rechtsgeschichten : Über Ursprung und Evolution eines sozialen Systems, Göttingen 2002.

[6] Ross (Fn. 5), 141. Siehe auch Charles Tilly, Big Structures, Large Processes, Huge Comparisons, New York 1984.

[7] Ross (Fn. 5), 105.

[8] Ross (Fn. 5), 106.

[9] Ross (Fn. 5), 108-109.

[10] Ross (Fn. 5), 110.

[11] Zur Rechtsgeschichte der schwedischen Reichsterritorien SieheKjell Åke Modéer, Gerichtsbarkeiten der schwedischen Krone im deutschen Reichsterritorium I : Voraussetzungen und Aufbau 1630 – 1675, Lund 1975

[12] Teubner, MLR, 24–27.

[13] Siehe Simo Heininen, Die finnische Studenten in Wittenberg 1531–1552, Helsinki 1980 ; Simo Heininen, Suomalaisten opinkäynti keskiajan Pariisissa [Finnische Studien im mittelalterlichen Paris], in : Simo Heininen/Pentti Laasonen/Seppo J. Salminen (hrsg.), Collegium scientiae : Suomen oppihistorian kehityslinjoja keskiajalta Turun akatemian alkuaikoihin, Helsinki 1983 ; und Jussi Nuorteva, Suomalaisten ulkomainen opinkäynti ennen Turun akatemian perustamista 1640, Helsinki 1997.

[14] Siehe Ludvig Magnus Bååth, Bidrag till den kanoniska rättens historia i Sverige, Stockholm1905 ; und Göran Inger, Das Kirchliche Visitationsinstitut im mittelalterlichen Schweden, Lund 1961.

[15] Yrjö Blomstedt, Laamannin- ja kihlakunnantuomarinvirkojen läänittäminen ja hoito Suomessa 1600–1680, Helsinki 1957.

[16] Die Universität Uppsala wurde ursprünglich im Jahre 1477 gegründet, war aber nach der Reformation nicht mehr tätig. Die Aktivitäten wurden am Anfang des 17. Jahrhunderts wieder aufgenommen. Weitere Universitäten wurden in Turku (1630), Tarto (1632) und Lund (1666) gegründet.

[17] Heininen, Wittenberg (Fn. 13).

[18] Heikki Pihlajamaki, Finnische Studenten in Greifswald mit besonderer Berücksichtigung der Juristenausbildung, in : Dirk Alvermann/Nils Jörn/Jens E. Olesen (hrsg.), Die Universität Greifswald in der Bildungslandschaft des Ostseeraums, Böhlau 2007, 269-281.

[19] So hat Marianne Vasara in ihre Untersuchungen für ihre (bisher unveröffentlichte) Doktorarbeit herausfinden können.

[20] Ugo Mattei, ”Why the Winds Change : Intellectual Leadership in Western Law, American Journal of Comparative Law 42 (1994), 195-218.

[21] Über die Teilautonomie des Rechts, siehe Teubner (Fn. 5), 49-51.

[22] Bruno Oppetit, Droit et modernité, Paris 1988, 74.

[23] Ûber die praktische Durchsetzung der Theorien, siehe Peter Oestmann, Rechtsvielfalt vor Gericht : Rechtsanwendung und Partikularrecht im Alten Reich, Frankfurt am Main 2002, 669-681.

[24] Ross (Fn. 5), 132-133.

[25] Das betont Thomas Duve, “El buen Iurista ha de saber entrambos Derechos : porque son como vn par de guantes, que el vno sin el otro de poco prouecho” : Zu einigen Neuerscheinungen zu den Quellen des derecho canónico indiano”, Jahrbuch für Geschichte Lateinamerikas 44 (2007), 351-365, 351-352 ; Sieheauch Thomas Duve, “…de Bulla lacticiniorum … nulla est necessitas in his Regnis” : Ein Beitrag zum Gewohnheitsrecht im Derecho Canónico Indiano, Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte, Kanonistische Abteilung 90 (2004), 406-429, 409.

[26] Heikki Pihlajamäki, Lo europeo en derecho : ius politiae y el Derecho Indiano, in : Feliciano Barrios (hrsg.), Derecho y administración pública en las Indias Hispánicas, Volumen 1, Cuenca 2002, 1363-1376. Die konkreten Bestimmungen und Rechtsgewohnheiten konnten in den verschiedenen Teilen des gewaltigen Imperiums bisweilen stark voneinander unterschieden. Siehe die Bemerkungen von Duve, Sonderrecht in der Frühen Neuzeit : Studien zum ius singulare und den privilegia miserabilium personarum, senum und indorum in Alter und Neuer Welt, Franfurt am Main 2008, 29-32.

[27] Zur die Rezeption des ius commune in den spanischen Kolonien, siehe Javier Barrientos Grandón, Historia del derecho indiano : del descubrimiento colombino a la codificación, I : Ius commune – ius proprium en las Indias occidentales, Roma 2000.

[28] Über das Leben von Olaus, siehe Gerhard Schmidt, Die Richterregeln von Olaus Petri : Ihre Bedeutung im Allgemeinen und für die Entwicklungen des schwedischen Strafprozessrechts vom 14. bis 16. Jahrhunderts, Göttingen 1966.

[29] Das ist das Hauptthema meiner Artikel Gründer, Bewahrer oder Vermittler ? – die nationalen und internationalen Elemente im Rechtsdenken des Olaus Petri, in : Jörn Eckert/Kjell Å. Modéer, Juristische Fakultäten und Juristenausbildung im Ostseeraum, Stockholm 2004, 29-38.

[30] Siehe die Quellen in Heikki Pihlajamäki, The Painful Question : The Fate of Judicial Torture in Early Modern Sweden, Law and History Review 25:3 (2007), 557-592, 564-565, 587.

[31] Siehe Mathias Schmoeckel, Humanität und Staatsraison : Die Abschaffung der Folter in Europa und die Entwicklung des gemeinen Strafprozeß- und Beweisrechts seit dem hohen Mittelalter, Köln/Weimar/Wien 2000,

[32] Das Standardwerk ist noch Piero Fiorelli, La tortura giudiziaria I-II, Milano 1953-1954.

[33] Übersetzung von Gerhardt Schmidt (Fn. 28).

[34] Vgl. Pihlajamäki (Fn. 29), 34-36.

[35] Siehe Lars Björne, Patrioter och institutionalister, Den nordiska rättsvetenskapens historia, Del I : Tiden före år 1815, Lund 1995, 26-30.

[36] Siehe Björne (Fn. 35), 32–35.

[37] Pia Letto-Vanamo, Suomalaisen asianajajalaitoksen synty ja varhaiskehitys, Helsinki 1989.

[38] Siehe Oestmann (Fn. 23), 681-682.

[39] Über das livländische Gerichtswesen in der schwedischen Zeit, s. Friedrich Georg von Bunge, Geschichte des Gerichtswesens und Gerichtsverfahrens in Liv-, Ehst- und Curland, Reval 1874. Siehe auch, Ragnar Liljedahl, Svensk förvaltning i Livland 1617-1634, Uppsala1934, 284-289 ; und Anna Christina Meurling, Svensk Domstolsförvaltning i Livland 1634-1700, Lund 1967, 72-79.

[40] Gustaf Johann von Buddenbrock (hrsg.), Sammlung der Gesetze, welche das heutige livländische Landrecht enthalten, kritisch bearbeitet, Erster Band : Ansgestammte livländische Landes-Rechte, Mitau 1802, 103-104.

[41] Arvo Tering, Über die Juristenausbildung der Mitglieder des Hofgerichts in Dorpat (Tartu) 1630-1710, Universitatis Tartuensis : Ülikooli ajaleht (1989), 30-35.

[42] Für die Rechtsproblematik, siehe meine Artikel “ .... dass kein Theil mit Billigkeit zu klagen Ursache habe“ : Die schwedische Hof- und Untergerichtsreform der Jahre 1630/32 in Livland und das Schicksal der bäuerlichen Gerichtsbarkeit, in : Nils Jörn/Bernhard Diestelkamp/Kjell Åke Modéer, Integration durch Recht, Köln/Weimar/Wien 2003, 197-213.

49.

[43] Heikki Pihlajamäki, Der frühmoderne Jurist und die Rechtsquellen : Rechtsanwendung in den livländischen Gerichten der schwedischen Zeit (ca. 1630-1710), in : Leopold Auer/Werner Ogris/Eva Ortlieb (hrsg.), Höchstgerichte in Europa : Bausteine frühneuzeitlichen Rechtsordnungen, Köln/Weimar/Wien 2007, 62-80, 79-80.

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